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16.10.2019: Pflegekräfte trotz hoher Belastungen insgesamt zufrieden mit ihrer Arbeit und offen für Digitalisierung?

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16. Oktober 2019

Rund 90% von über 200 befragten Pflegekräften des Kreisaltenheims Amorbach sowie der ambulanten Pflege des Caritasverbands für den Landkreis Miltenberg sind insgesamt zufrieden mit ihrer Arbeit, obwohl sie hohen körperlichen und emotionalen Belastungen ausgesetzt sind.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekts »Lern- und Experimentierräume der Digitalisierung in Pflegeberufen« (PFL-EX) wurden alle Beschäftigten der beiden Einrichtung zu einer ausführlichen Befragung eingeladen, die durch das Institut für Technologie und Arbeit e.V. (ITA) ausgewertet wurde. Die sehr hohe Beteiligung von über 80% zeigt die hohe Bereitschaft und Motivation der Beschäftigten, sich in die Weiterentwicklung der Unternehmen einzubringen.

Die Ergebnisse machen die Folgen der hohen Belastung deutlich: Jede dritte Pflegekraft weist ein reduziertes körperliches Leistungsvermögen auf, jede vierte hat mehrmals in der Woche Schwierigkeit, durchzuschlafen, und jede fünfte fühlt sich emotional erschöpft. Die Unternehmensleitungen sind sich der Probleme bewusst und versuchen zum einen, über gesundheitsfördernde Angebote zu unterstützen, und zum anderen über den Einsatz neuer Technologien Belastungen zu reduzieren.

Nur bei einem geringen Anteil von rund 10% der Pflegekräfte überwiegen Sorgen und Ängste vor Überforderung und Zusatzaufwand durch neue Technologien. Die große Mehrheit ist offen für Neuerungen und sieht Potenzial sowohl für Entlastung, etwa durch eine Elektronische, mit Spracheingabe mögliche Dokumentation, als auch für mehr Sicherheit für die Pflegebedürftigen, zum Beispiel durch Assistenzsysteme wie Sensormatten in Betten. Spektakuläre Technologie wie Pflegeroboter spielen für die Praktiker im Übrigen kaum eine Rolle. Weder ihr Potenzial im alltäglichen Pflegeeinsatz wird hoch eingeschätzt, noch passen solche technischen Ansätze zum Pflegeverständnis der meisten Befragten.

Im PFL-EX-Projekt erhalten die Pflegekräfte ab Januar die Möglichkeit, in so genannten Experimentierräumen mehrere von ihnen selbst ausgewählte Technologien praktisch zu erproben. Durch das Projekt sollen Pflegekräfte besser auf die Digitalisierung vorbereitet und in ihrer Expertenrolle gestärkt werden.